Coaching Cards: REALITÄTSLIEBE – Take the red pill.

Die meisten dürften den Spruch “Take the red pill” aus der Matrix-Trilogie kennen. Wir lieben den Helden Neo gerade deswegen – er kneift nicht und stellt sich der Realität. Mir ist klar, dass die philosophisch veranlagten Leser am liebsten einen Exkurs in den Begriff Realität hätten. Ich will hier aber pragmatisch aus der Praxis berichten.

Eines der wichtigsten Instrumente für angehende Gründer ist die Marktbefragung. Zu potentiellen Kunden zu gehen, die Idee vorzustellen und sich Feedback einzuholen. Ich habe in diesem Prozess über 1000 Gründer begleitet und Feedback zu deren Marktbefragung gegeben. Als ich noch bei den Enigma Company Builders gearbeitet habe, war die Marktbefragung von 104 potentiellen Kunden Pflicht, es wurde sonst die Zusammenarbeit beendet. Alte Hasen haben mir gleich am Anfang den Tipp gegeben, bei der Marktforschung genau hinzuschauen, darauf zu achten, wie ehrlich sie durchgeführt wird. Viele Gründer – ich meine wirklich viele Gründer – betrügen sich an dieser Stelle selber, hören nicht genau zu und leben in ihrer eigenen Welt. Das ist aber mit der wichtigste Hebel für ein erfolgreiches Start-Up: Die Wünsche der Kunden zu kennen und zu erfüllen. Potentielle Kunden geben übrigens gerne Feedback, sofern man nicht im aufdringlichen Verkaufsmodus ist. Wir sind bei uns im Team sogar so weit gegangen zu behaupten, dass die Ehrlichkeit zu sich selber und die Wünsche der Kunden der stärkste Indikator für Erfolg als Gründer ist. Da es dazu keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, kann ich die These nur als Erfahrungswissen weiter geben.

Das skurrilste Beispiel aus meiner Praxis war ein Pole, der unbedingt ein polnisches Eiscafé mit polnischen Spezialitäten aufmachen und es auch so benennen wollte. Er hatte ein Objekt, ging in die Marktbefragung und vermied es konsequent zu erwähnen, um welche Positionierung es ging. Er hat der Überlegung; ob ein polnisches Eiscafé an dieser Stelle Sinn ergibt, einfach ignoriert bzw. sich geweigert, dem nach zu gehen. „Die werden alle mein Eis lieben“, war die Standartantwort. Anstatt sich aber mit den Schwierigkeiten der Vorurteile auseinanderzusetzen, um eine Strategie der längeren Produkteinführung zu überlegen, wurde alles konsequent weggelächelt. Ich habe dann die Zusammenarbeit beendet und durfte aus der Ferne die Pleite begutachten. Aber selbst meine Aussage „Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, Ihre Gründung weiter zu begleiten, da ich bei dem derzeitigen Stand von einem Scheitern ausgehen muss“, wurde weggelächelt.

Am Anfang meines Studiums habe ich den Spruch eines jüdischen Philosophen gehört, der mich seitdem begleitet: „Gesundheit ist der Wille zur Realität um jeden Preis.“ Ich habe leider in den letzten Jahren nicht herausgefunden, wer der Autor ist, aber der Spruch hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen und als Gründungsberater seine Wirkung entfaltet. Ich meine das im Ernst: Kämpfen Sie darum, die rote Pille zu nehmen. Alle anderen Wege werden uns garantiert scheitern lassen – egal ob im Job, in der Ehe oder der Kindererziehung.


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